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HH Kaffee

7 Fragen an Aaron Küppers (Teikei)

Ein Beitrag vom 2. Juni 2020 ☕

Nach dem Interview (Balz und Balz, Playground) ist vor dem Interview, und wir stellen sieben Fragen an Aaron Küppers vom Teikei!

Zur Vorgeschichte vom Teikei schaut ihr übrigens am besten direkt auf teikeicoffee.org vorbei. Aaron ist einer der Mitinitiatoren von Teikei, die im Kern 3–4 Leute, zwischenzeitlich aber auch mal 30–40 Leute stark sind.

Jens (HH Kaffee): Das Teikei ist etwas anders als andere Röstereien. Woher kam die Idee?

Aaron (Teikei): Die Idee kam eigentlich von meinem Vater, der sich viel mit CSA, also »Community-Supported Agriculture« bzw. gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft beschäftigt. An solchen Projekten hat er sowohl hier in Deutschland als auch in Brasilien gearbeitet und Höfe umstrukturiert. In sechs Jahren sind durch entsprechende Anleitung allein in Brasilien mehr als 100 CSA-Projekte entstanden. Als er nach Deutschland zurückkam, haben wir uns unterhalten: Woher beziehen Höfe und ihre Mitglieder Importprodukte, wie Kaffee oder Nüsse – kann das global funktionieren? Und so haben wir über ein Non-Profit nachgedacht, über bedarfsorientierte Gehälter, über Kaffee, ohne immer den Gewinn zu maximieren. Und auch wenn das erst in Süddeutschland startete, haben wir uns dann für Hamburg entschieden.

Jens: Worauf achtet ihr bei der Qualität des Kaffees?

Aaron: Wir verwenden grundsätzlich nur Specialty-Coffees, ab 80 (sehr gut), im Schnitt aber sogar 86 Punkten (exzellent). Qualität ist allerdings für uns nicht nur die tatsächliche, messbare Produktqualität, sonden auch das, was dahinter steht – die Art des Wirtschaftens und der Umgang mit den Menschen in einer Wertschöpfungskette, und somit auch der Umgang mit dem Planeten, auf dem wir leben.

Jens: Was ist für dich ein guter Kaffee?

Aaron: Grundsätzlich ist das für mich eine Zubereitungs- und dann eine Geschmacksfrage, aber guter Kaffee fängt bei der Pflanze an. Wenn man sich die Bedingungen anschaut, braucht man hier sicherlich keine Monokultur. Wir setzen deshalb auf Permakultur und pflanzen unseren Kaffee direkt im Regenwald. Ich halte guten Kaffee auch erst dann für gut, wenn er ethisch vertretbar ist. Das gilt für mich im Großen und Ganzen aber für jedes Produkt.

Arndt Steinacker [stößt kurz dazu]: Für mich macht guten Kaffee das Gesamtpaket aus, das heißt, vom Rohstoff bis zur fertigen Tasse. Qualität geht von A bis Z, vom Bauern vor Ort bis hin zum Barista. Guter Kaffee ist keine Ressourcenverschwendung, sondern Respekt; und für mich ist hier auch das Wissen vorausgesetzt, wie man einen guten Kaffee auch servieren kann.

Jens: Beim Teikei fällt einem ja schon eine ganze Menge auf, aber was ist aus deiner Sicht das Besondere am Teikei?

Aaron: Die Wirtschaftsweise und damit zusammenhängende Ganzheitlichkeit des Projektes. Für viele Mitglieder und Verbraucher mag das Segeln unseres Kaffees etwas Besonderes sein und das ist es auch für uns. Für viel besonderer und wichtiger halte ich allerdings das Wirtschaften auf Augenhöhe. Wir müssen daran arbeiten, Wirtschaft wieder zukunftsfähig zu gestalten und Gleichberechtigung zu schaffen. Das ist etwas, wozu die moderne Marktwirtschaft nicht mehr fähig ist, und wir möchten das ändern.

Jens: Was wissen denn die wenigsten über das Teikei?

Aaron: Ich glaube, das Prinzip des solidarischen Umgangs und dass wir ein projektbasiertes Cafe sind. Auch, dass wir uns bei Teikei vom Kilopreis distanzieren und zum Ernteanteil übergehen wollen. Das ist natürlich schwer zu kalkulieren, und am Ende geht es um Feingefühl: Was ist die Arbeit des Bauern genau wert? Aber auch, was bedeutet es, mit dem Segelschiff zu transportieren, anstelle des Containerschiffes?

Jens: Hast du Gedanken zur Kaffeekultur in Hamburg und in Deutschland?

Aaron: Hamburg hat, was Kaffee anbelangt, eine ausgesprägte Kultur. Da ist höchstens Berlin noch ähnlich stark. Hier gibt es auf der einen Seite eine schöne und offene Entwicklung. Andererseits ist es schade zu sehen, dass es selbst bei Specialty- und Third-Wave-Coffee noch keine Selbstverständlichkeit ist, auf biologische Produkte und faire Wirtschaftsweisen zu setzen. Das wäre schön, wenn es an erster Stelle stehen würde.

Jens: Das neue Jahr fühlt sich immer noch recht jung an. Was ist dein größter Wunsch für 2020?

Aaron: Dass alle gesund bleiben und die Welt gesund wird 😊

Jens: Vielen Dank, Aaron, und vielen Dank, Arndt!

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